DAS QUARTETT

Marco Reiß - Violine
Marco Reiß, geboren 1960 in Magdeburg, erhielt seinen ersten Geigenunterricht von seinem Vater. Bald darauf erfolgte die Delegierung an die Spezialschule in Halle, nach deren Beendigung er an der Musikhochschule Leipzig bei Prof. Fred Roth studierte und anschließend weiterführende Studien bei Prof. Klaus Hertel realisieren konnte.

Seit 1982 - Engagement als Violinist in der Magdeburgischen Philharmonie, seit 1993 Vorspieler der 1. Violinen. 1986 bis 1989 Aushilfstätigkeit an der Staatsoper in Berlin. Im Zuge seiner umfangreichen kammermusikalischen Tätigkeiten leitet er seit 1989 das Magdeburger Rossini-Quartett, dessen Mitbegründer er ist. Von 1991-96 Realisierung der Konzertreihen „Magdeburger Kammermusiksonntage“ im Jugendstilsaal in der Weitling-Straße (damals Stadtbibliothek) und von 1997 bis 2000 der „Stunde der Klassik“ im AMO-Kulturhaus. Seit 2003 bereist das Rossini-Quartett mit Solisten jährlich mit einer „Musikalisch-Literarischen Entdeckungsreise entlang der Straße der Romanik in Sachsen-Anhalt“ verschiedene romanische Bauwerke im Bundesland. Für die ersten dieser erfolgreichen Konzertreisen wurde das Quartett 2006 mit dem „Romanikpreis 2005 des Tourismusverbandes Sachsen-Anhalt“, Silbermedaille, ausgezeichnet. Seit 2012 ist das Quartett „Ehrenbotschafter der Landeshauptstadt Magdeburg“. In den zurückliegenden Jahren wurden bereits Reisen nach Jordanien und zur EXPO nach Shanghai für die Landesregierung realisiert.

Eigene Konzertreihen und zahlreiche CD- und Rundfunkaufnahmen.
Ingo Fritz - Viola/Violine
Ingo Fritz, geboren 1958 in Meiningen/Thüringen.
Sein Studium absolvierte er an der Musikhochschule Leipzig im Hauptfach Violine
bei Prof. Klupsch und Prof. Boche.

Seit 1980 ist er Mitglied der Magdeburgischen Philharmonie und
wurde 1985 Konzertmeister der II. Violinen in diesem Klangkörper.
1991 erhielt er einen Lehrauftrag am Institut für Musik
der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg.

Neben seinen Aufgaben im Orchester zeichnet er sich durch vielseitige kammermusikalische Arbeit auch als Bratscher aus.

1998 wurde ihm der Titel Kammermusiker durch den Oberbürgermeister der Stadt Magdeburg verliehen.
   
Marcel Körner - Violoncello
Vorspieler Violoncello/ Mitglied der magdeburgischen philharmonie

Geboren 1971 in Sindelfingen, erhielt Marcel Körner seinen ersten Cellounterricht mit acht Jahren. Marcel Körner wirkte in zahlreichen Jugendorchestern, u.a. in der Jungen Süddeutschen Philharmonie.
Mit 19 Jahren war er Preisträger beim Jugendwettbewerb des Verbandes Deutscher Tonkünstler in der Solowertung. Dieser Preis ermöglichte ihm eine solistische Rundfunk- produktion mit dem SDR Stuttgart (heute SWR). Nach Abitur und Zivildienst studierte er Diplom- Orchester- Musiker in Freiburg i. Br. in der Klasse von Prof. Adriana Contino. Es folgte ein weiterführendes Aufbaustudium bei Prof. Janos Starker in Bloomington, USA, das er mit der Bestnote („A“) abschloss.
Danach nahm er an mehreren internationalen Orchester- und Kammermusikfestivals in Österreich, Israel und den USA teil. Meisterkurse bei Helga Winold (USA), Paul Katz (USA) und Csaba Onzcay (Ungarn), rundeten seine Ausbildung ab. Weiterführenden Kammermusikunterricht erhielt er u. a. bei James Dunham (Cleveland Quartett).
Mit verschiedenen Besetzungen für Alte Musik konzertierte er in Deutschland, der Schweiz und Österreich als Barockcellist. Er war außerdem an mehreren Rundfunk- und TV- Produktionen im In- und Ausland (USA, Israel, Österreich) beteiligt.

Seit Herbst 2001 ist er Vorspieler der Celli der Magdeburgischen Philharmonie. In dieser Zeit trat er schon in mehreren Kammermusikbesetzungen und bereits zweimal als Solist mit der Magdeburgischen Philharmonie in Erscheinung.
Im Frühjahr 2004 wurde ihm vom Wagnerverband International ein Wagnerstipendium verliehen.
Im Sommer 2005 führte ihn eine Kammermusik-Tournee durch Japan.
Wolfram Wessel - Kontrabass
Wolfram Wessel, Mitbegründer des Rossini-Quartetts,
wurde 1954 in Altenburg geboren.
Nach Abitur und abgeschlossener Berufsausbildung studierte er von 1976 bis 1980 an der Musikhochschule in Leipzig bei Konrad Seebach.

Seit 1980 ist er Mitglied der Magdeburgischen Philharmonie,
seit 1981 in der Stellung als Solokontrabassist.

Neben seiner Orchestertätigkeit war Wolfram Wessel auch immer wieder auf kammermusikalischem Gebiet und solistisch in Kreuzgangserenaden und Rathauskonzerten zu erleben.

1998 wurde er mit dem Titel Kammermusiker geehrt.

Vom Streichquartett zum Kammerensemble

Am Ende der Spielzeit 1988/1989 begannen für die Musiker des Städtischen Orchesters Magdeburg schon die Vorbereitungen auf die neue Spielzeit. Für die Kammermusikreihe der Rathauskonzerte hatte der Kontrabassist Wolfram Wessel einen besonderen Vorschlag. Er hatte die Partituren von Gioacchino Rossinis sechs Sonate a quattro auf einem Mikrofilm. Mit seinen Musikerkollegen Bettina und Marco Reiß, Violine, und Jochen Stengel, Violoncello schrieben sie die Stimmen aus der Partitur. Damit hatte sich ein Streichquartett mit einer ungewöhnlichen Besetzung gefunden.
Von Liane Bornholdt

Magdeburg. Rossini hatte seine Sonate a quattro für die Besetzung komponiert, die er bei seinem Freund und Förderer Agostino Triossi vorfand, zwei Geiger, einen Cellisten und einen Kontrabassisten, und bis heute gehören sie zu den ganz, ganz wenigen Originalkompositionen für diese Streicherbesetzung. Obwohl der Komponist selbst diese Quartette eher zu seinen Jugendsünden zählte, sind sie voller Charme und melodischem Reichtum und wurden von manch anderem Komponist „ausgeschlachtet“. Im Original sind sie wegen ihrer ungewöhnlichen Besetzung sehr selten zu hören, und so wurde die Aufführung beim Rathauskonzert im November 1989 wahrscheinlich zur Magdeburger Erstaufführung. Beim Magdeburger Publikum kamen die Quartette so gut an, dass die vier Musiker beschlossen, sie auch bei anderen Gelegenheiten zu spielen. Damit war das Magdeburger Rossini-Quartett entstanden.
Andere Werke wurden für das Rossini-Quartett bearbeitet, etwa Divertimenti von Mozart und erste Telemann-Stücke.
Von 1991 bis 1993 spielte das junge Kammerensemble in einer eigenen Konzertreihe, den Kammermusiksonntagen im Jugendstilsaal der damaligen Stadtbibliothek. Hier konnten auch Verbindungen zu Musikerkollegen aus Magdeburg und anderen Städten geknüpft werden. Das Rossini-Quartett begann, regelmäßig mit Gästen aufzutreten. Zu den Höhepunkten gehörte ein gemeinsamer Auftritt mit dem Leipziger Gewandhausquartett, und zum ersten Mal spielten sie Schuberts Forellenquintett mit Sofja Gülbadamova als Pianistin. Ute Bachmaier und Undine Dreißig gehörten zu den Gästen, aber auch Professor Christoph Tauber, Hermann Müller, der Trompeter Ralf Götz, der Komponist, Dirigent und Cembalist Reinhard Seehafer, sowie der Frankfurter Barockflötist und Telemann-Preisträger der Stadt Magdeburg Michael Schneider musizieren mit dem Rossini-Quartett. „Seit 11 Jahren“, sagt Marco Reiß, „ arbeiten wir mit Michael Schneider zusammen. Daraus ist nicht nur eine Musikerfreundschaft entstanden. Wir haben von ihm sehr viel über Barockmusik gelernt.“
Heute gehören Werke der großen mitteldeutschen Barockkomponisten, vor allem Georg Philipp Telemanns, fest zum Repertoire, und die Interpretationen der „Rossinis“ haben auch unter Barockspezialisten große Anerkennung gefunden, so dass sie auch schon zu den Telemann-Sonntagsmusiken eingeladen wurden.
Seit 1993 engagieren sich die Musiker des Rossini-Quartetts alljährlich mit einem Benefizkonzert für das Kinderhilfswerk unicef, und von 1997 bis 2000 gab es noch einmal eine eigene Konzertreihe, „Stunde der Klassik“ im AMO. Mit diesen und vielen anderen Konzerten konnte sich das Magdeburger Rossini-Quartett ein Stammpublikum gewinnen. Inzwischen hatte sich die Besetzung verändert und vor allem das Repertoire erweitert. Heute spielt das Rossini-Quartett mit Marco Reiß, Violine, Ingo Fritz, Violine/Viola; Marcel Körner, Violoncello, und Wolfram Wessel, Kontrabass, in der Stammbesetzung. Aber das Quartett hat sich inzwischen zu einem größeren Kammermusikensemble erweitert. Meist sind mehr als vier Musiker auf dem Podium zu hören. Der Konzertmeister der Magdeburgischen Philharmonie Yoichi Yamashita, 1. Voline, gehört zu den ständigen Gästen. Oft spielen der Trompeter Tilman Schneider, die Flötistin Atsugo Koga und Henning Ahlers im „Quartett“, und die Mezzosopranistin Undine Dreißig gehört auch schon ganz fest zum Rossini-Quartett.

„Kammermusik zu spielen“, sagt Ingo Fritz, „hat sehr positive Auswirkungen auch auf die Arbeit im großen Orchester. Sie festigt die Gemeinschaft, man lernt, besser aufeinander zu hören, und jeder wird angehalten, mehr für sich und sein Instrument zu tun.“ Im Sommer 2003 begann das Rossini-Quartett mit seinen musikalisch-literarischen Entdeckungsreisen entlang der Straße der Romanik. „Die Grundidee dieser Sommerkonzerte“, so Marco Reiß, „besteht darin, dass wir Komponisten, Persönlichkeiten und Geschichten aus Sachsen-Anhalts zusammenführen und sie an historischen Orten den Menschen nahe bringen wollen. Unser Wunsch ist es, einmal an allen Orten der touristischen Straße zu spielen.“ Für die „Entdeckungsreisen“ wurde das Rossini-„Quartett“ im Jahr 2005 mit dem Romanikpreis des Landes Sachsen-Anhalt ausgezeichnet. Das Magdeburger Rossini-Quartett hat sich in 20 Jahren zu einem ausgezeichneten und vielseitigen Kammermusikensemble entwickelt, das in ganz Sachsen-Anhalt, aber auch Deutschlandweit als Kulturbotschafter des Landes unterwegs ist.

Liane Bornholdt