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Es begann vor mehr als 20 Jahren mit einer besonderen Partitur. Der Kontrabassist des Städtischen Orchesters, der heutigen magdeburgischen philharmonie, Wolfram Wessel "entdeckte" die Partitur von Gioacchino Rossinis „Sechs Sonaten a quattro“. Diese Kompositionen wurden für eine ungewöhnliche kammermusikalische Besetzung geschrieben: für zwei Geigen, Violoncello und Kontrabass. Da übliche Streichquartette mit zwei Geigen, Bratsche und Violoncello diese Stücke nicht spielen konnten, fanden sich vier Musiker des Orchesters, Marco und Bettina Reiß, Violine, Jochen Stengel, Violoncello und Wolfram Wessel am Kontrabass zusammen, schrieben sich die einzelnen Stimmen aus der Partitur und studierten die Sonaten, die bis heute nur selten in der Originalbesetzung zu hören sind. ... >>> das quartett






20 Jahre Rossini-Quartett Magdeburg

Der Festartikel von 2009



Vom Streichquartett zum Kammerensemble

Am Ende der Spielzeit 1988/1989 begannen für die Musiker des Städtischen Orchesters Magdeburg schon die Vorbereitungen auf die neue Spielzeit. Für die Kammermusikreihe der Rathauskonzerte hatte der Kontrabassist Wolfram Wessel einen besonderen Vorschlag. Er hatte die Partituren von Gioacchino Rossinis sechs Sonate a quattro auf einem Mikrofilm. Mit seinen Musikerkollegen Bettina und Marco Reiß, Violine, und Jochen Stengel, Violoncello schrieben sie die Stimmen aus der Partitur. Damit hatte sich ein Streichquartett mit einer ungewöhnlichen Besetzung gefunden.
Von Liane Bornholdt
Magdeburg. Rossini hatte seine Sonate a quattro für die Besetzung komponiert, die er bei seinem Freund und Förderer Agostino Triossi vorfand, zwei Geiger, einen Cellisten und einen Kontrabassisten, und bis heute gehören sie zu den ganz, ganz wenigen Originalkompositionen für diese Streicherbesetzung. Obwohl der Komponist selbst diese Quartette eher zu seinen Jugendsünden zählte, sind sie voller Charme und melodischem Reichtum und wurden von manch anderem Komponist „ausgeschlachtet“. Im Original sind sie wegen ihrer ungewöhnlichen Besetzung sehr selten zu hören, und so wurde die Aufführung beim Rathauskonzert im November 1989 wahrscheinlich zur Magdeburger Erstaufführung. Beim Magdeburger Publikum kamen die Quartette so gut an, dass die vier Musiker beschlossen, sie auch bei anderen Gelegenheiten zu spielen. Damit war das Magdeburger Rossini-Quartett entstanden.
Andere Werke wurden für das Rossini-Quartett bearbeitet, etwa Divertimenti von Mozart und erste Telemann-Stücke.
Von 1991 bis 1993 spielte das junge Kammerensemble in einer eigenen Konzertreihe, den Kammermusiksonntagen im Jugendstilsaal der damaligen Stadtbibliothek. Hier konnten auch Verbindungen zu Musikerkollegen aus Magdeburg und anderen Städten geknüpft werden. Das Rossini-Quartett begann, regelmäßig mit Gästen aufzutreten. Zu den Höhepunkten gehörte ein gemeinsamer Auftritt mit dem Leipziger Gewandhausquartett, und zum ersten Mal spielten sie Schuberts Forellenquintett mit Sofja Gülbadamova als Pianistin. Ute Bachmaier und Undine Dreißig gehörten zu den Gästen, aber auch Professor Christoph Tauber, Hermann Müller, der Trompeter Ralf Götz, der Komponist, Dirigent und Cembalist Reinhard Seehafer, sowie der Frankfurter Barockflötist und Telemann-Preisträger der Stadt Magdeburg Michael Schneider musizieren mit dem Rossini-Quartett. „Seit 11 Jahren“, sagt Marco Reiß, „ arbeiten wir mit Michael Schneider zusammen. Daraus ist nicht nur eine Musikerfreundschaft entstanden. Wir haben von ihm sehr viel über Barockmusik gelernt.“

Heute gehören Werke der großen mitteldeutschen Barockkomponisten, vor allem Georg Philipp Telemanns, fest zum Repertoire, und die Interpretationen der „Rossinis“ haben auch unter Barockspezialisten große Anerkennung gefunden, so dass sie auch schon zu den Telemann-Sonntagsmusiken eingeladen wurden.
Seit 1993 engagieren sich die Musiker des Rossini-Quartetts alljährlich mit einem Benefizkonzert für das Kinderhilfswerk unicef, und von 1997 bis 2000 gab es noch einmal eine eigene Konzertreihe, „Stunde der Klassik“ im AMO.
Mit diesen und vielen anderen Konzerten konnte sich das Magdeburger Rossini-Quartett ein Stammpublikum gewinnen. Inzwischen hatte sich die Besetzung verändert und vor allem das Repertoire erweitert. Heute spielt das Rossini-Quartett mit Marco Reiß, Violine, Ingo Fritz, Violine/Viola; Marcel Körner, Violoncello, und Wolfram Wessel, Kontrabass, in der Stammbesetzung. Aber das Quartett hat sich inzwischen zu einem größeren Kammermusikensemble erweitert. Meist sind mehr als vier Musiker auf dem Podium zu hören. Der Konzertmeister der Magdeburgischen Philharmonie Yoichi Yamashita, 1. Voline, gehört zu den ständigen Gästen. Oft spielen der Trompeter Tilman Schneider, die Flötistin Atsugo Koga und Henning Ahlers im „Quartett“, und die Mezzosopranistin Undine Dreißig gehört auch schon ganz fest zum Rossini-Quartett.
„Kammermusik zu spielen“, sagt Ingo Fritz, „hat sehr positive Auswirkungen auch auf die Arbeit im großen Orchester. Sie festigt die Gemeinschaft, man lernt, besser aufeinander zu hören, und jeder wird angehalten, mehr für sich und sein Instrument zu tun.“
Im Sommer 2003 begann das Rossini-Quartett mit seinen musikalisch-literarischen Entdeckungsreisen entlang der Straße der Romanik. „Die Grundidee dieser Sommerkonzerte“, so Marco Reiß, „besteht darin, dass wir Komponisten, Persönlichkeiten und Geschichten aus Sachsen-Anhalts zusammenführen und sie an historischen Orten den Menschen nahe bringen wollen. Unser Wunsch ist es, einmal an allen Orten der touristischen Straße zu spielen.“
Für die „Entdeckungsreisen“ wurde das Rossini-„Quartett“ im Jahr 2005 mit dem Romanikpreis des Landes Sachsen-Anhalt ausgezeichnet, und in diesem Jahr geht es von August bis zum November noch an zehn verschiedene Orte (Tourneeplan siehe: www.rossini-quartett.net).
Das Magdeburger Rossini-Quartett hat sich in 20 Jahren zu einem ausgezeichneten und vielseitigen Kammermusikensemble entwickelt, das in ganz Sachsen-Anhalt, aber auch Deutschlandweit als Kulturbotschafter des Landes unterwegs ist.

Liane Bornholdt